( Renault R5 Campus / Der kleine Freund )

Wie um alles in der Welt kann sich bloß so ein 'Neuwagen' hier her verirren - das wird sich vielleicht der ein oder andere fragen, und zu Recht auf eine Antwort warten ! Durch einen kleinen 'Kuhhandel' mit einem (inzwischen leider ehemaligem) Arbeitskollegen, bin ich an diesen Wagen gekommen. O-Ton Mohamed : 'Ey Benjamin, ich habe dieser kleine Auto vor Garage stehen, ich nix brauchen, wollen verkaufen. Am Beispiel Du helfen mir mit andere Sache, du nehmen dieser kleine Stinker'. Mit der 'anderen Sache' wollte ich eigentlich niemals etwas zu tun haben, aber nun hatte er mich ....

So sind wir dann kurz darauf aufgebrochen, den R5 in Beschlag zu nehmen. Der er nun länger stand, sprang er wegen schlapper Batterie nicht an und verlangte nach Starthilfe. Ich also Motorhaube geöffnet, und erst mal doof geguckt .... steckt doch in dem Wagen der gute alte Motor welcher auch im Daf zu Haus ist, herrlich. Auf der Fahrt nach Haus hat der kleine richtig Spaß gemacht. Kunststück, hat doch der 1400er Motor mit dem lächerlichem Gewicht des R5 leichtes Spiel. Da der Wagen aus dem Jahre 93 stammt, verfügt er freilich auch über so Nettigkeiten wie G-Kat, Monopoint Einspritzanlage, Elektr.Zündung etc. - mir kamen die wildesten Umbauideen ...

Doch ich entschloß mich den kleinen wieder zu richten und zu verkaufen. Tüv hatte er zwar noch ein paar Monate, aber mit neuem Tüv hat man wohl die besseren Chancen ihn wieder zu veräußern. Leider fielen auch ein paar Mängel auf die vorher behoben werden mußten. So verlor der Motor an den beiden Kurbelwellen-Simmeringen Öl (welcher DAF Fahrer kennt dieses Leiden nicht ...), das Auspuff-Verbindungsrohr zwischen KAT und Schalldämpfer war hinüber, Öl-Wechsel / Kerzen / Lufi / Keilriemen etc. waren lange überfällig ....

Ok dachte ich, Simmeringe wechseln ist ja kein Thema, ist ja der gleiche Motor wie beim DAF > Motor raus, Ringe tauschen, Motor rein - fertig .... Weit gefehlt !! Wie sich heraus stellen sollte, läßt sich der Motor nicht allein ausbauen, es muß dann schon der komplette Fahrschemel incl. Getriebe, Lenkung, Federbeinen und Achse sein. Also tief geschluckt, noch tiefer durchgeatmet, die Ärmel hoch gekrempelt und los gelegt. Alles in allem zeigte sich aber das die Aktion kein Hexenwerk ist, und im Grunde keine großen Probleme mit sich bringt. Es dauert halt alles nur recht lange, da man viel mit abschrauben/abklemmen und anschrauben/anklemmen beschäftigt ist.

Hat man die Karosserie dann über den Schemel gehievt, läßt sich der Motor aus selbigem rausheben und bearbeiten. Hierbei zeigte sich das die Kupplung noch sehr gut aussieht, und die Bremsen an der Vorderachse noch nicht viele Kilometer unter die Räder genommen hatten. Außerdem fiel auf das die Karosserie praktisch Null Rost hat - da hab ich aus ähnlichen Jahrgängen schon ganz andere Sachen gesehen. Offenbar hat er seine 109tkm bis dato ohne Salzgeschwängerte Winter überstanden, zugelassen war er im Ruhrpott.

Der Zusammenbau gestaltete sich ebenso problemlos, bis auf eine kleine Ausnahme : Wieder montiert, lief er nicht mehr gescheit, und stieß arg dunkle Wolken aus dem Auspuff aus ..... Da guckt man nun zunächst mal blöd aus der Wäsche, denn wo soll man anfangen zu suchen ? Zündung ? Steuergerät ? Einspritzanlage ? Zum Glück stellte sich später heraus das ich nur einen kleinen Unterdruckschlauch falsch angeschlossen hatte ! Danach war wieder alles in Butter und Patient sowie Chirurg sehr zufrieden miteinander :o)

Die anschließende Tüv Untersuchung bestand er ohne Mängel, und verdiente sich so eine gründliche Reinigung incl. Politur ! So stand dann ein Auto vor mir, welches absolut zuverlässig dienen würde, günstig ist es obendrein (Unterhalt ? G-Kat > wenig Steuern, wenig Versicherung sowieso und dank der Einspritzung und Elektr.Zündung Verbrauchswerte von denen DAF Fahrer vermutlich in ihren kühnsten Träumen nicht zu träumen wagen ...) und irre Praktisch - der großen Heckklappe und der geteilt umlegbaren Rücksitzbank sei dank. Was mich jedoch am meisten verblüffte : Die Kiste ist bequem ! Große, bequeme Sitze in denen man ordentlichen Halt hat. Die Bedienkräfte um den Wagen zu bewegen liegen auf Hausfrauenniveau, und mit der ansonsten kargen Ausstattung hätte man sich durchaus anfreunden können. Ich muß gestehen, ich fand Gefallen an dem Wägelchen, und überlegte tatsächlich nicht Ihn, sondern meinen Alltags DAF ab zu stoßen ...

Glücklicherweise rang ich mich aber durch dem DAF treu zu bleiben, auch wenn der von mir einen erheblichen finaziellen Mehraufwand verlangt. Aber der DAF fährt nun mal außer Konkurrenz

Den R5 hab ich dann an einen Führerscheinneuling verkauft, der ihn hoffentlich gut behandelt. Denn irgendwie werden die ja doch so langsam selten, und die meisten sehen schon ziemlich verlottert aus. Und, ich bin mir sicher, irgendwann werden wir uns nach solch simpel gestrickten Wagen die einfach nur funktionieren sehnen. Ich kann nur jedem empfehlen der ein günstiges Auto zum fahren sucht, mal über einen R5 nach zu denken - billiger werden sie bestimmt nicht mehr, nur weniger.

Status : Laß dich nicht klein kriegen !